Kostenfreier Versand innerhalb der EU - 30 Tage Rückgaberecht - Kostenlose Hotline: 06222 319 7571

Wie lehne ich einen Heiratsantrag ab – Teil 1

Wie lehne ich einen Heiratsantrag ab – Teil 1

Er führte mich aus. In mein Lieblingsrestaurant. Das L’Orient in der Osterstraße. Libanesische Küche vom Feinsten.  Es gab keinen besonderen Anlass. Kein Geburtstag, kein Jahrestag und Valentinstag war gerade erst vorüber. Oder er wollte sich damit einfach für den Bockmist, den er bei unserem letzten Streit verzapft hat, entschuldigen. Ich brezelte mich natürlich trotzdem ein wenig auf: Kurzes schwarzes, aber hochgeschlossenes Kleid an. Darunter halterlose Strümpfe, Spitzenunterwäsche und Stiefeletten. Ich fühlte mich elegant und ein wenig nuttig zugleich. Er holte mich um halb acht ab und wir gingen den knappen Kilometer zu Fuß. Ich mochte es wenn er enge schwarze Jeans mit einem weißen Hemd trug, darüber seine Lederjacke und Boots dazu.

Als wir im Restaurant ankamen, begrüßte uns die  Kellnerin überschwänglich und führte uns ohne nach dem Namen zu fragen an unseren reservierten Tisch. Ich schaute noch einmal auf mein Handy und stellte es stumm. Das Display leuchtete auf:  „19:56 Uhr. Freitag, 17. Februar. 5 neue Whatsapp Nachrichten“. Ich legte mein Handy wieder in meine Tasche.  „Heute ist ein ganz besonderer Abend“, sagte er und sah mir tief in die Augen. Ich schmachtete ihn kurz an, doch dann blitze das heutige Datum, das gerade eben noch völlig unbedeutend auf meinem Handy leuchtete, vor meinem inneren Auge auf:  Freitag, 17. Februar. 17.02.2017.  In diesem Moment ging mir ein Licht auf und mir wurde ein bisschen schlecht. Er wollte um meine Hand anhalten. Vermutlich entglitt meinem Gesicht jedwede Farbe. Ich lächelte und stotterte „ach ja?“. Er grinste nur und antwortete mit einem selbstbewussten „Ja“.

Die Kellnerin kam mit einer Flasche und 2 Gläsern.  „Champagner“ sagte sie während sie die Flasche öffnete und einschenkte. Ich zitterte als ich das Glas in die Hand nahm und wir anstießen. Ich hoffte, dass er mein Zittern nicht sah. Was am besten gegen Nervosität hilft? Alkohol trinken! Also trank ich den Champagner. Und trank und trank. Bis das Glas leer war. In einem Zug. Er sah mich entsetzt an. Ich verschluckte mich und fing an zu husten. Da ratterte es in meinem Kopf: „Oh mein Gott, ich glaube ich habe gerade den Ring verschluckt. Er wollte mir einen unfassbar kitschigen Antrag machen und ich habe einfach den Champagner samt Verlobungsring verschluckt. Moment… ohne Ring kann er mir keinen Antrag machen. Hoffentlich habe ich den Ring verschluckt!“ Als ich mit dem Husten fertig war, fragte ich mit kratziger Stimme: „War da etwas im Glas?“ „Anscheinend nicht genug Champagner“, antwortete er gewitzt und schenkte mir ein weiteres Glas ein. Ich lächelte verzweifelt. 

Vor- und Hauptspeise verliefen zum Glück ohne weitere Zwischenfälle. Und dann kam der Nachtisch. Eiscreme für ihn, Grießkuchen getränkt in Rosenwasser für mich. Der samtig weiche Kuchen war ein kleiner Geschmacksorgasmus. Als ich etwa in der Mitte des Stücks ankam, stieß meine Gabel allerdings auf einen harten Widerstand. Hatte er den Ring einbacken lassen? Mir traten wieder Schweißperlen auf die Stirn. Sollte ich vielleicht einfach so tun als sei ich satt? Wie gehabt: Kein Ring, kein Antrag. Ich legte die Gabel hin. „So köstlich der Kuchen ist, ich bekomme keinen Bissen mehr herunter“, log ich ihn an. „Aber in der Mitte des Kuchens ist doch eine Überraschung. Die schmeckt am besten“, versuchte er mich zu überzeugen. Ich schüttelte vehement den Kopf. „Na gut, dann esse ich deinen Nachtisch eben mit auf.“ Ich sah mit Entsetzen zu, wie er sich vom Rand zur Mitte des Kuchens vor aß. Ich war über allermaßen in ihn verknallt, aber jetzt gerade hätte ich ihn am liebsten erwürgt. Genauso gerne erwürgt wie beim Gilmore Girls gucken. Wie kann er die Gilmore Girls nicht mögen? Nicht nur nicht mögen sondern gegen Rory und Lorelai wettern. Jedesmal. Nur weil er den Dialogen nicht folgen kann, da bin ich mir sicher. Wie könnte ich jemanden heiraten der mir die Serie meiner Jugend madig redet. Meine Vorbilder nicht respektiert?! Idiot! Als er in die Mitte des Kuchens stach, machte es ein kleines krachendes Geräusch. „Bist du sicher, dass du die karamellisierte Walnuss nicht wenigstens probieren willst?“ Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich lachte hysterisch los.

Als wir das Restaurant verließen, regnete es.  „Weißt du was? Der Abend war wirklich schön. Aber kurzzeitig hatte ich Angst.“ Ich hielt einen Moment inne, die Erleichterung war mir sichtlich anzusehen. Ich kicherte: „Ich dachte wirklich, du willst mir einen Antrag machen.“ Er wurde ernst und sagte nur: „ Ja.“ Und schon kniete er nieder, mit einem Knie in einer Pfütze, und kramte eine kleine Schatulle aus seiner Jackentasche. Er sah mich verstohlen an, öffnete die Schatulle und der Ring funkelte mir entgegen. Bevor er etwas sagen konnte, legte ich schon los. „Bist du völlig bescheuert? Auf keinen Fall werde ich jetzt ‚ja‘ sagen! Hast du mir gerade gar nicht zugehört? Los, steh auf!“ fauchte ich ihn beschwipst an und verdrehte die Augen. Er richtete sich wieder auf und lächelte: „Gut. Dann frage ich dich einfach ein andermal.“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.